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Dialogforum Sorgearbeit mit Michaela Hermann (Bertelsmann Stiftung), Dr. Astrid Pape (BDA), Linda König (Städtisches Klinikum Dresden), Stephanie Schlitt (Koordinatorin Bündnis Sorgearbeit fair teilen), Prof. Dr. Katharina Wrohlich (DIW Berlin), Anja Weusthoff (Deutscher Frauenrat), Martin Habedank (Vater und Führungskraft in Teilzeit), Doreen Borchert (Verband alleinerziehender Mütter und Väter – Landesverband Bayern), Katharina Linnepe (Moderatorin), Foto: Heidi Scherm

Doch Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel oder für mehr Erwerbstätigkeit blenden diese Tatsache noch immer viel zu häufig aus. Deshalb lud das Bündnis Sorgearbeit fair teilen im September 2025 Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft unter dem Motto „Sorgearbeit ist der Normalfall: Zeit für Erwerbs- und Sorgearbeit“ zum Dialogforum ein: Im Mittelpunkt stand die Frage, welche politischen, betrieblichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nötig sind, damit Sorgearbeit nicht länger überwiegend von Frauen getragen wird und die Förderung wirtschaftlicher Eigenständigkeit. Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann hier nachgeschaut werden. Vorgestellt wurde dabei auch das neue Factsheet „Arbeit im Blick“.

Unternehmen müssen Sorgearbeit mitdenken 

Die Übernahme unbezahlter Sorgearbeit gehört für die allermeisten Frauen – und zunehmend auch für Männer – zum normalen Lebensverlauf. Diese Verantwortung beeinflusst Arbeitszeiten, Karrierewege und Verfügbarkeit. Dennoch orientieren sich viele Unternehmen weiterhin am Ideal der jederzeit verfügbaren Arbeitskraft. 

Das ist weder realistisch noch zukunftsfähig. Angesichts von Fachkräftemangel, demografischem Wandel und steigenden Pflegebedarfen müssen Politik und Wirtschaft Sorgearbeit stärker mitdenken. Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle schaffen und Sorgeverantwortung anerkennen, sichern Fachkräfte, entlasten Mitarbeitende und stärken ihre Zukunftsfähigkeit. 

An diese Herausforderungen knüpfte das Bündnis Sorgearbeit fair teilen auch im Austausch mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an. Im Mittelpunkt standen notwendige Rahmenbedingungen, die Unternehmen dabei unterstützen, Arbeitskräfte zu gewinnen und Beschäftigten zugleich ermöglichen, ihrer Sorgeverantwortung nachkommen zu können. 

Die Bündnismitglieder tauschten sich mit BDA und ZDH aus

„Lifestyle-Teilzeit“ greift zu kurz 

Im Zuge der Debatte um die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ bezog das Bündnis Stellung und widersprach der verkürzten Debatte in der Medienöffentlichkeit. Viele Frauen würden gerne mehr in ihren Jobs arbeiten. Teilzeit ist häufig kein Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern Folge ungleich verteilter Sorgearbeit. 

Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit und reduzieren deshalb häufiger ihre Erwerbsarbeitszeit. Wer dem Fachkräftemangel wirksam begegnen will, muss bei den strukturellen Rahmenbedingungen und der ungleichen Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit ansetzen. 

Rund 9 Stunden wenden Frauen pro Woche mehr für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Trotzdem wird die einseitige Belastung von Frauen durch die Betreuung von Kindern und Menschen mit Unterstützungsbedarf, Hausarbeit und die Organisation des Familienlebens viel zu häufig übersehen. Gut, dass das Bündnis Sorgearbeit fair teilen hier für mehr Aufmerksamkeit sorgt, Männer zum Anpacken ermuntert und bei der Wirtschaft für passende
Rahmenbedingungen wirbt.

Anja Weusthoff, stellvertretende Vorsitzende