zurück zur Übersicht
Foto: Carola G. / pexels

Mit der Frauengesundheit fristete das Fach, das mehr Aufmerksamkeit für geschlechtsspezifische Unterschiede in Gesundheit und Versorgung fordert, lange ein Nischendasein. Doch nun haben Politik und Medien das Thema für sich entdeckt. Wechseljahre und Endometriose stehen medial und politisch hoch im Kurs. Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung die medizinische Vorsorge, Behandlung und Forschung geschlechts- und diversitätssensibel gestalten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erklärte die Frauengesundheit zur Chefinnensache, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bezeichnete Deutschland beim Thema Frauengesundheit als Entwicklungsland und will Fördermittel in Millionenhöhe bereitstellen.

Der Deutsche Frauenrat hat sich mit seinem Fachausschuss Geschlecht bei Gesundheit und Krankheit berücksichtigen: Für eine geschlechter- und diversitätskritische sowie barrierefreie Gesundheitsvorsorge und -versorgung“ unter der Leitung von Dr. Regine Rapp-Engels (Arbeitskreis Frauengesundheit e.V.) umfassend mit der Thematik auseinandergesetzt und macht deutlich: Geschlechtersensible Gesundheit und Versorgung sind mehr als einzelne Krankheitsbilder. Von der Prävention, Diagnostik, Therapie bis zur Forschung spielen sowohl Einfluss des biologischen Geschlechts als auch des soziokulturellen Geschlechts eine wesentliche Rolle, aber auch verschiedene Lebensphasen und -situationen.

Vielseitiger Expert*innenaustausch 

In seinem zweiten Amtsjahr hat sich der Fachausschuss mit Expert*innen aus Politik, Medien und Verbänden ausgetauscht. In einem Hearing stellten Vertreter*innen des Bundesgesundheitsministeriums den Fachausschussmitgliedern die frauengesundheitspolitischen Vorhaben dieser Legislaturperiode vor.

Mit der Ressortleiterin der Politischen Redaktion beim Deutschen Ärzteblatt,Rebecca Beerheide, diskutierte das achtköpfige Gremium die Berichterstattung zu Frauengesundheit und Möglichkeiten, den Diskurs thematisch zu weiten.

Von der stellvertretenden kommissarischen Leiterin des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Mechthild Paul, ließ sich der Fachausschuss über die Arbeit des Instituts unterrichten. Im Anschluss berieten Fachausschuss und die BIÖG-Vertreterin zu intersektionalen Themenschwerpunkten sowie Netzwerkstrukturen.

Das Themenfeld Geschlechterperspektiven im Betrieblichen Gesundheitsmanagement brachte die Referatsleiterin für gleichstellungsorientierte Familienpolitik im DGB, Silke Raab, dem Fachausschuss näher und es wurde beraten, wie die Arbeitswelt für Frauen in allen Lebensphasen gut gestaltet werden kann.  

Großes Interesse an digitaler Veranstaltung

Wie groß das Interesse am Thema Frauengesundheit ist, bestätigte die rege Nachfrage nach der digitalen Veranstaltung des Fachausschusses mit dem Titel „Gesundheit und Geschlecht: Wie lassen sich Lücken in der Versorgung und Forschung schließen“ Ende April. Rund 400 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Akteur*innen des Gesundheitswesens, Fachverbänden, Selbstvertretungen, Landesfrauenräten etc. warfen einen spannenden und vielseitigen Blick auf geschlechtersensible Gesundheitsversorgung und -forschung.

Als Abschluss seiner Tätigkeit wird der Fachausschuss auf der kommenden Mitgliederversammlung eine Publikation einbringen mit wesentlichen Ansätzen und Forderungen, wie das Gesundheitswesen geschlechtersensibler weiterentwickelt werden kann.

Geschlechtssensible Medizin ist eine Grundvoraussetzung für gute Gesundheitsversorgung für alle. Wir brauchen einen grundlegenden Perspektivwechsel im Gesundheitswesen, der  Geschlecht und Lebensrealitäten endlich systematisch in Forschung und Versorgung einbezieht.

Dr. Regine Rapp-Engels, Leiterin des Fachausschusses Geschlecht bei Gesundheit und Krankheit berücksichtigen: Für eine geschlechter- und diversitätskritische sowie barrierefreie Gesundheitsvorsorge und -versorgung
Ulrike Geppert-Orthofer Deutscher Hebammenverband e.V. (DHV)Mitglied
Daniela Hottenbacher Arbeitsgemeinschaft katholische Frauenverbände und -gruppierungen e.V. Mitglied
Awa Naghipour Deutscher Ärztinnenbund e.V. Mitglied
Irene Pabst Evangelische Frauen in Deutschland e.V. (EFiD)Mitglied
Yvonne PlögerBundesverband der Mütterzentren e.V.Mitglied
Beatrice GómezWeibernetz e.V. Mitglied
Dr. Regine Rapp-EngelsArbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)Leitung
Gabriele Stark-Angermeier  Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH)Mitglied
Dr. Dagmar Steiner Frauen Union der CDU Deutschlands e.V. (FU)Mitglied
Juliane Zinke Geschäftsstelle Deutscher Frauenrat e.V. Koordinatorin
Die Mitglieder des Fachauschusses Gesundheit (Foto: Deutscher Frauenrat)