
Die Mitgliederversammlung des Deutschen Frauenrats hat im Juni den geschäftsführenden Vorstand um Dr. Beate von Miquel und ihre Stellvertreterinnen Anja Weusthoff und Claudia Altwasser mit deutlichem Zuspruch in seinem Amt bestätigt. Damit sprachen die Delegierten dem neuen-alten Führungstrio das nötige Vertrauen für ein Projekt aus, das sie ihm auf derselben Mitgliederversammlung aufgetragen hatten: Den DF für Zeiten zu wappnen, in denen gleichstellungspolitische Fortschritte massiv unter Druck geraten und antifeministische Positionen alltäglich geworden sind.
Im Rahmen des Beschlusses der Mitgliederversammlung sind Vorstand, Geschäftsführerin Judith Rahner und die Geschäftsstelle angehalten, dabei in alle Richtungen zu denken, um Angriffe von Antidemokrat*innen zu vereiteln: Formate, Verbündete, Aktionen, die eigene Mitgliedsstrukturen bis zur Satzung. Was braucht es an welcher Stelle, um auch in widrigen Zeiten als die starke Stimme für Frauen zu bestehen?
DF im Dialog – Fundierte Antworten auf komplexe Fragen
In zunehmend komplexen Zeiten und befeuert von KI und Fake News ist der Wunsch nach einfachen Antworten groß – auch im frauenpolitischen Kontext. Der DF reagiert darauf mit Austausch und Aufklärung. Mit dem neuen Format „DF im Dialog“ soll Wissen, das früher vor allem in Expert*innenkreisen zirkulierte, gezielt in die eigenen Strukturen getragen werden. Und umgekehrt werden Wissen und Erfahrung aus den Mitgliedsverbänden systematisch in die politische Arbeit des DF zurückgespielt – und das Prinzip Dachverband so mit neuem Leben gefüllt.
Ziel ist dabei komplexe Themen aus vielfältigen Perspektiven zu betrachten und ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen. Für eine Verbandsarbeit, die stärker nach innen wirkt, um nach außen handlungsfähiger zu sein und in einer veränderten Debattenlage zu bestehen. Im Rahmen des neuen Formats kamen die Mitgliedsorganisationen im Berichtsjahr mehrfach für Expert*inneninput und intensive Diskussionen rund um die Themen Prostitution, Wehrpflicht für Frauen und Antifeminismus und Demokratie zusammen.
Gemeinsam für mehr Wirkung
Zudem sucht der DF stärkeren Austausch und Schulterschluss mit seinen Verbündeten. Regelmäßige Treffen mit den Landesfrauenräten gewähren ihm Einblicke in die Entwicklungen auf Landesebene und fördern die gemeinsame strategische Ausrichtung. Für größere politische Schlagkraft arbeitet der DF themenbezogen mit unterschiedlichen Partnerorganisationen zusammen – beispielsweise mit der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, dem Bundesforum Männer, dem Deutschen Institut für Menschenrechte oder dem Deutschen Juristinnenbund. Durch diese Kooperationen werden fachliche Expertise gebündelt, gemeinsame Positionen gestärkt und frauenpolitische Anliegen wirkungsvoller vertreten.
Der erweiterte Vorstand legte sein Arbeitsprogramm im Rahmen einer zweitägigen Klausur fest und lud dazu die renommierte Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner zu sich ein. Die Haushaltsexpertin sensibilisierte den Vorstand für die schmelzenden finanzpolitischen Spielräume der Bundesregierung in den kommenden Jahren und damit für die maßgeblichen Rahmenbedingungen von Gleichstellungspolitik.
Einfallstore schließen
Die demokratischen Grundwerte und feministischen Grundsätze des DF sind in seiner Satzung verankert. Im Rahmen des Auftrags der Mitgliederversammlung, den DF vor möglicher Einflussnahme von Rechtsextremist*innen und Demokratiefeind*innen zu schützen, wird sie aktuell auf mögliche Einfallstore überprüft. Änderungsvorschläge sollen auf der nächsten Mitgliederversammlung diskutiert werden – mit dem Ziel, die Resilienz des DF zu stärken und neue Mitglieder in seinen Reihen willkommen heißen zu können.
Feministischer Leuchtturm
Als Dachverband von rund 60 Mitgliedsorganisationen steht der DF vor der zentralen Herausforderung, seine demokratischen Grundwerte und feministischen Grundsätze zu schützen und in polarisierten Zeiten klar und verlässlich Position zu beziehen. Genau darauf richtet er seine Strukturen aus: auf eine informierte und geeinte Mitgliederbasis, ein wachsames Netzwerk, belastbare Sprechfähigkeit und darauf, einzelne Stimmen zu stärken, wenn Unrecht geschieht. Der Anspruch bleibt dabei unverändert: Kein Schritt zurück.

Es ist Zeit, den Deutschen Frauenrat wetterfest gegen Angriffe von außen zu machen und nach innen zusammenzurücken. Denn nur wehrhaft und geeint bleiben wir in stürmischen Zeiten ein feministischer Leuchtturm für Frauenrechte und unsere Demokratie.
Claudia Altwasser, stellvertretende Vorsitzende