Women7 It's time to deliver!

Am 1. Januar 2022 übernahm Deutschland die G7-Präsidentschaft – und der Deutsche Frauenrat den Vorsitz des begleitenden Dialogs der Women7 (W7). Rückblick auf ein Jahr großer Herausforderungen und Erfolge.

DF-Vorsitzende Beate von Miquel steht neben Bundeskanzler Olaf Scholz, der das W7-Communiqué in die Kamera hält.
Bundeskanzler Olaf Scholz und DF-Vorsitzende Dr. Beate von Miquel mit den W7-Forderungen (© Heidi Scherm)

Ziele der Women7

Seit 2018 organisiert sich die Women7 (W7), ein internationales Netzwerk an Frauenrechtsverbänden, -organisationen und Interessensgruppen, um sich gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit in der Gruppe der Sieben (G7) einzusetzen. Das Ziel: Gleichstellung soll Ausgangspunkt und Verhandlungsbasis der G7 sein.

2022 übernahm der DF den Vorsitz des zivilgesellschaftlichen Women7-Dialogs im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft und rief dazu ein internationales Berater*innennetzwerk ins Leben. Insgesamt 64 Vertreter*innen von Frauenrechtsverbänden, und -organisationen aus über 24 Ländern wurden ausgewählt, um den frauenpolitischen W7-Dialog unter deutscher G7-Präsidentschaft gemeinsam zu gestalten.
 

Die Gruppe der Sieben (G7) stellt seit mehr als 45 Jahren einen einflussreichen, informellen Zusammenschluss der ehemals mächtigsten Wirtschaftsnationen dar. Zu den G7 gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA.

Das Women7-Kampagnenvideo

Sechs Schwerpunkte im Blick

Im Mittelpunkt der ersten Phase der deutschen W7-Präsidentschaft stand das Verfassen des Forderungskatalogs an die Staats- und Regierungschef*innen der G7-Staaten. Nach zahlreichen Beratungen und intensivem Austausch innerhalb des Netzwerks war der erste große Meilenstein erreicht: Das sogenannte Communiqué bündelt Forderungen und Empfehlungen zu sechs Schwerpunktthemen:

1. Klimagerechtigkeit
2. Geschlechtergerechte Bewältigung der COVID-19-Pandemie
3. Gewalt gegen Frauen und Mädchen und geschlechtsspezifische Gewalt
4. Rechenschaftsmechanismen
5. Feministische Außenpolitik
6. Wirtschaftliches Empowerment von Frauen

Kämpferische Stimmung beim W7-Gipfel

Beim W7-Gipfel am 24. und 25. Mai 2022 überreichte Dr. Beate von Miquel, Vorsitzende des DF, das Women7-Communiqué an den Präsidenten der G7, Bundeskanzler Olaf Scholz. Neben dem Kanzler nahmen zahlreiche Vertreter*innen des W7-Netzwerks und aus der internationalen Zivilgesellschaft am Gipfel in Berlin und digital teil, um mit den G7-Entscheidungsträger*innen zu ihren Forderungen ins Gespräch zu kommen.

Der zweitägige Gipfel bescherte den Anliegen der W7 und dem Deutschen Frauenrat als Trägerorganisation viel mediale Aufmerksamkeit. Das lag auch an der breit angelegten Kampagne, die unter dem Hashtag „Time to Deliver“ mit zahlreichen Botschafter*innen und unterschiedlichen Formaten in den Sozialen Medien Fahrt aufnahm.

Feierstimmung bei W7-Advisors und Team (© Heidi Scherm)
G7-Präsident und Bundeskanzler Olaf Scholz (© Heidi Scherm)
W7-Projektleiterin Juliane Rosin mit W7-Advisors Christine Heinze und Reine Kouété (© Heidi Scherm)
Bundesfrauenministerin Lisa Paus hält ein Grußwort (© Heidi Scherm)
Der Bundeskanzler diskutiert mit W7-Advisors Marie-Claire Kakpotia Moraldo, Sini Heikkila und Shan Sherwan Hussein (v.l.n.r.) (© Heidi Scherm)
WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger ist die Vorsitzende des Gleichstellungsbeirats GEAC während der deutschen G7-Präsidentschaft. (© Heidi Scherm)

G7-Gipfel in Elmau

Mit Erfolg: Auf dem G7-Gipfel vom 26.-28. Juni 2022 in Elmau bekannten sich die Staats- und Regierungschef*innen der G7-Staaten dazu, die Gleichstellung aller Geschlechter global voranbringen zu wollen. Zum ersten Mal in der Geschichte der G7 wurden in der Abschlusserklärung explizit trans und nicht binäre Personen sowie die LGBTIQ* Community adressiert.

Gleichstellungspolitische Ergebnisse der deutschen G7-Präsidentschaft 2022:

  • Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte
    Die G7 erkennen an, dass sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte sowie die Berücksichtigung von sexueller Orientierung und Geschlechteridentität essenzielle Hebel für die Stärkung von Frauen und Mädchen sind.
  • Geschlechtergerechter Wiederaufbau nach der Pandemie
    Auch die Forderung der W7 nach einem geschlechtergerechten Wiederaufbau nach der Pandemie gemäß einer transformativen Wirtschaftspolitik, die auch strukturelle Hindernisse für Geschlechtergerechtigkeit adressiert und den Wert un- und unterbezahlter Sorgearbeit anerkennt, wurden fast wörtlich in das Communiqué der G7-Staats- und Regierungschef*innen übernommen. Hierzu gehört auch die Zusage, mit über 79 Millionen US-Dollar, den Childcare Incentive Fund der Weltbank zu unterstützen.
  • Monitoring von Gleichstellungsindikatoren
    Mit dem G7 Dashboard on Gender Gaps wird eine der Women7-Empfehlungen konkret umgesetzt und ein jährliches Monitoring von Gleichstellungsindikatoren eingeführt.
  • Feministische Entwicklungs-, Außen- und Handelspolitik
    Zudem erwähnt das Communiqué erstmals die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen „im Sinne einer feministischen Entwicklungs-, Außen- und Handelspolitik“.
  • Aber:
    Konkrete finanzielle Zusagen und messbare Ziele fehlen.
Time to Deliver – Zeit zu liefern war der Appell von Women7 an die G7. Unser Druck hat gewirkt: Die G7 ist mit ihrem Versprechen, Gleichstellung von Frauen, Männern und LGBTIQ* voranzubringen auf dem richtigen Weg! Für eine rasche Umsetzung muss die G7 konkrete finanzielle Zusagen und messbare Ziele nachliefern.
Annika Wünsche, Mitglied im Vorstand des Deutschen Frauenrats für Internationale Gleichstellungspolitik
Portrait von DF-Vorstandsmitglied Annika Wünsche
Annika Wünsche, Mitglied im Vorstand für Internationale Gleichstellungspolitik (© Andrea Vollmer)

Outreach-Event mit Politik und Zivilgesellschaft in Berlin

In der zweiten Jahreshälfte standen zahlreiche G7-Minister*innentreffen, darunter das Treffen der Minister*innen für Gleichstellungsfragen, auf dem Programm. Das W7-Team nutzte die Zusammenkunft, um sein Netzwerk erneut zu versammeln und seine Forderungen für eine geschlechtergerechte Welt gemeinsam mit den W7-Advisors vor den Gleichstellungsminister*innen zu bekräftigen.

Nach einer Woche intensiver Strategie- und Evaluation-Meetings endete das Treffen mit einer großen Abschlussveranstaltung am 14. Oktober in Berlins ältestem LGBTIQ*-Club, dem SchwuZ. Über 200 Teilnehmer*innen kamen bei der Abendveranstaltung „We are here, we are loud! United against the backlash“ zusammen, um zu diskutieren, wie Anti-Gender-Bewegungen entgegengewirkt und eine geschlechtergerechtere Welt erreicht werden können.

Einige der Women7-Advisors und das Projektteam beim W7-Strategie- und Evaluationstreffen (© Heidi Scherm)
Die W7-Advisors unterwegs in Berlin (© Heidi Scherm)
Das W7-Porjektteam (v.l.n.r): Franziska Storm, Alina Robben, Caroline Ausserer, Madita Standke-Erdmann, Laura Gey, Melanie Taymour, Vera Otterstein, Juliane Rosin (© Heidi Scherm)
W7 Outreach-Event „We are here, we are loud - United against the backlash!“ im SchwuZ (© Heidi Scherm)
Zustimmender Applaus im SchwuZ, u.a. von der kanadischen Gleichstellungsministerin Marci Ien. (© Heidi Scherm)
Über den globalen Gender Backlash diskutiert W7-Projektkoordinatorin Caroline Ausserer mit Vertreter*innen aus Politik und Zivilgesellschaft. (© Heidi Scherm)
Zuhörer*innen (© Heidi Scherm)
W7-Advisors Kemi Akinfaderin aus Nigeria und Marianna Leite aus Brasilien (© Heidi Scherm)
W7-Advisor Prof. Lisa Davis aus den USA mit W7-Projektleiterin Juliane Rosin (© Heidi Scherm)
© Heidi Scherm
(© Heidi Scherm)
(© Heidi Scherm)

Women7-Handover an Japan

Nach den Strategie- und Evaluationsmeetings standen die letzten Monate der deutschen Präsidentschaft weiter im Zeichen des Austauschs mit G7-Regierungs- und Staatschef*innen und den Vorbereitungen der Übergabe an die nächste W7-Präsidentschaft. Damit ist 2023 Japan betraut. Im Januar 2023 fand eine offizielle Übergabe von W7 Germany an W7 Japan in Tokio statt. Projektleiterin Juliane Rosin, Projektkoordinatorin Caroline Ausserer und eine Delegation von W7-Advisors aus dem Globalen Süden reisten nach Tokio, um die Präsidentschaft offiziell an Japan zu übergeben. Als Mitbringsel hatten sie die druckfrische Veröffentlichung „Women7 Projekt-Handbuch“ mit Empfehlungen und Lessons learned der deutschen Präsidentschaft im Gepäck.

Übergabe des W7-Handbuchs an die japanischen Women7-Organisatorinnen
Übergabe im Goethe-Institut in Tokio an die japanischen Kolleginnen (© Yuichi Mori)

Ideen sammeln im Dialogforum

Die Übergabe der Präsidentschaft in die Hände der japanischen Kolleg*innen zum Jahresende beendete nicht das Engagement des DF: Beim W7/W20 Dialogforum 2023 im März wurde erneut der Austausch mit Politik und Zivilgesellschaft gesucht. Das vorherrschende Ziel: Transparent die Ergebnisse der vergangenen Präsidentschaft vorzustellen und Impulse für die laufenden Präsidentschaften zu sammeln.

Welche Themen und Forderungen sind aus und für Deutschland besonders relevant? Wie kann oder muss die Umsetzung vereinbarter Maßnahmen in Deutschland aussehen? Mit den Ergebnissen geht es nun in die Dialoge 2023, in die der DF eng eingebunden bleibt.