Parlamentarischer Abend Geschlechtergerecht in die Zukunft

22.11.2022

Im Herbst 2022 zogen die Kosten für Energie und Lebenshaltung drastisch an. Weil Frauen bereits finanziell stärker unter den Folgen der Corona-Pandemie und erschwerten Vereinbarkeitsbedingungen von Familie und Beruf litten, lud der Deutsche Frauenrat  Bundestagsabgeordnete zur Diskussion über geschlechtergerechte Lösungen.

Aufsicht auf Abgeordnete an Stehtischen, die sich unterhalten
Bundestagsabgeordnete und DF im vertieften Gespräch ©Heidi Scherm

Am 22. November 2022 empfing der DF die Abgeordneten des Deutschen Bundestags unter dem Motto „Geschlechtergerecht in die Zukunft“ zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin. Gemeinsam mit dem Vorstand und eingeladenen Expert*innen diskutierten die Parlamentarier*innen, wie inmitten multipler Krisen eine tragfähige, solidarische und zukunftsorientierte Politik gestaltet werden kann. Die besondere Herausforderung: unterschiedliche Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern dabei zu berücksichtigen und bestehenden Ungleichheiten entgegenzuwirken.

Frauen besonders von Krisen betroffen

Dr. Beate von Miquel, die Vorsitzende des DF, hob in ihrer Begrüßung hervor, dass die Krisen und die damit verbundenen Preissteigerungen Frauen vor allem als Alleinerziehende, Geringverdienerinnen oder Rentnerinnen empfindlich treffen. Auch wenn Corona-Pandemie, Energiekrise und Inflation sich nicht vergleichen ließen, die Folgen einer Politik, die Gleichstellung außenvorlässt, seien für Frauen gleichermaßen drastisch.

Den wissenschaftlichen Impuls setzte Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zu Fragen von Inflation, Energiekrise und Entlastungspaketen unter frauen- und gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten. Eindrücklich präsentierte der DIW-Präsident anhand aktueller Studien und Statistiken, wie und warum Frauen und weitere vulnerable Gruppen von wirtschaftspolitischen Entscheidungen benachteiligt werden. In kaum einem anderen EU-Land seien die Gender-Gaps so hoch wie in Deutschland.

Diskussion

DIW-Präsident Prof. Marcel Fratzscher (© Heidi Scherm)
Teilnehmer*innen des Parlamentarischen Abends (© Heidi Scherm)
DF-Vorsitzende Dr. Beate von Miquel eröffnet den Abend (© Heidi Scherm)
Abgeordnete in Diskussion mit DF-Vorstand und Geschäftsführung (links) (© Heidi Scherm)
Blick ins Publikum (© Heidi Scherm)
Vorstandsmitglieder Susanne Maier (links) und Elke Ferner (© Heidi Scherm)
DF-Bereichsleiterin Antje Asmus moderiert (© Heidi Scherm)
Marcel Fratzscher mit Beate von Miquel und Antje Asmus
Konzentriertes Zuhören (© Heidi Scherm)
Fragerunde mit Marcel Fratzscher (© Heidi Scherm)

Schere zwischen arm und reich öffnet sich

Fratzscher zeigte auf, dass die Schere zwischen Menschen mit hohen und geringen Einkommen immer weiter aufgeht. Insbesondere Frauen fallen aufgrund geringer Stundenlöhne und Erwerbseinkommen in die Gruppe derjenigen mit kleinen Einkommen und wenig Chancen auf Bildung von Rücklagen. Sie leisten weiterhin den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, was ihre Möglichkeiten am Arbeitsmarkt einschränkt. Auch im Steuersystem werden Frauen benachteiligt; so zahlen verheiratete Frauen mit Einkommen unter 40.000€ jährlich doppelt so viel Steuern wie verheiratete Männer.

anschließender Austausch

(© Heidi Scherm)
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Gezielte Maßnahmen sinnvoll

Der Staat sollte laut Fratzscher in Krisen vor allem Maßnahmen auf den Weg bringen, die jene erreichen, die sie am nötigsten brauchen, anstatt alle Bürger*innen pauschal zu unterstützen. Aktuelle Maßnahmen müssten vielmehr als bisher anhand von Kriterien einer sozial gerechten und gleichstellungsorientierten Krisenpolitik ausgestaltet werden. Dazu gehörte die Umverteilung von Sorgearbeit ebenso wie eine Steuerpolitik, die hohe Einkommen und Vermögen mehr in die Pflicht nimmt.

In Redebeiträgen warnten DF-Vertreterinnen davor bei der Kompensation von Krisenausgaben bei gleichstellungsfördernden Maßnahmen zu sparen. Einsparungen beispielsweise bei Maßnahmen zur Umverteilung von Sorgearbeit hätten langfristig negative Folgen für die Erwerbsbeteiligung von Frauen. 

Im Anschluss entstand eine angeregte Diskussion zwischen Abgeordneten und dem Vorstand des DF, die bei einem Abendessen in kleineren Runden vertieft
wurde.

Gleichstellungspolitik trägt maßgeblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei, denn sie stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen über den Lebensverlauf und damit die soziale Sicherheit von Familien.
Anja Weusthoff, stellvertretende Vorsitzende des DF
Portrait von Anja Weusthoff
Anja Weusthoff, stellvertretende Vorsitzende (© Barbara Dietl)

Vier Fragen an Marcel Fratzscher

DIW-Präsident Marcel Fratzscher über geschlechtergerechte Wege aus den Krisen