DIE DF-WAHLKAMPAGNEN #MehrStattWeniger
Durch das Erstarken extrem rechter Kräfte stehen Demokratie und Frauenrechte weltweit unter Druck. Die Europa-Wahl im Juni 2024 und die vorgezogene Bundestagswahl im Februar 2025 hießen deshalb für den Deutschen Frauenrat (DF): Einmischen, aufklären und zur Wahl demokratischer Parteien aufrufen.
Mehr als 80 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs und 35 Jahre nach dem Mauerfall droht sich die Geschichte ausgerechnet in Deutschland zu wiederholen: Hohe Zustimmungswerte für die in Teilen rechtsextreme AfD waren für den DF Anlass, in seiner Begleitkampagne vor negativen Folgen für Frauenrechte durch einen möglichen Rechtsruck in EU-Parlament und Bundestag zu warnen. Ob die EU Fortschrittsmotor für eine freiheitliche Demokratie, die Frauenrechte achtet und ausbaut, bleiben kann, wird schlussendlich an den Wahlurnen entschieden.
Die EU-Kampagne: Wer wählt, zählt.
Unter dem Motto „Wer wählt, zählt!“ rief der DF im Frühjahr 2024 deshalb dazu auf, bei der Europawahl für demokratische Parteien, die Frauenrechte schützen und stärken wollen, zu stimmen. Die Kampagne warnte eindringlich vor einem möglichen Rechtsruck im EU-Parlament und betonte die Bedeutung der Wahl für die Zukunft der europäischen Gleichstellungspolitik.
Ein bewährtes Element der Kampagne war der EU-Wahl-Check, der die gleichstellungspolitischen Ziele in den EU-Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien analysierte und mit den Forderungen des DF abglich. Um eine informierte Wahlentscheidung zu erleichtern, stellte der DF den Wahl-Check auf seiner Webseite und in den Sozialen Medien bereits zum wiederholten Male zur Verfügung.
In seiner Kampagne setzte der DF vermehrt auf Video-Formate, wie animierte Claims und sogenannte Life Hacks mit praktischen Tipps für eine demokratische Wahlentscheidung. Die Zusammenarbeit mit der Autorin und Politik-Influencerin Sally Lisa Starken erzielte große Reichweiten. Dem DF gelang es, mit der Kampagne neue Follower zu gewinnen und seine Forderungen in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Auch die DF-Mitgliedsorganisationen unterstützen bei der Verbreitung der Inhalte durch Teilen und Liken.
Den analogen Höhepunkt im Europawahlkampf bildete die Kooperationsveranstaltung mit Bundesstiftung Gleichstellung, Juristinnenbund (djb) und Europäische Bewegung Deutschland (EBD) am 16. Mai 2024 in der Bundesstiftung. Über den Stand und die Zukunft der EU-Gleichstellungspolitik diskutierten Spitzenkandidat*innen verschiedener Parteien gemeinsam mit Vertreterinnen des DF, der EBD und des djb.
Rechtsruck nicht abgewendet
Trotz erfolgreicher Kampagne war der Wahlausgang der Europa-Wahlen am 9. Juni 2024 ernüchternd. Nach der Wahl rief der DF die demokratischen Kräfte im EU-Parlament auf, enger zusammenzuarbeiten, Blockaden der extrem rechten Parteien abzuwenden und sich EU-weit gemeinsam für Frauenrechte und die Rechte von marginalisierten und gefährdeten Gruppen einzusetzen.
Wähl‘ Frauenrechte
Der EU-Wahlausgang setzte den Ton für die Begleitkampagne zur vorgezogenen Bundestagswahl. Die Folgen der Rezession und eine weitere Haushaltskrise hatten das Ampelbündnis zerrüttet. Neuwahlen wurden schließlich für den 23. Februar angekündigt. Und während der DF noch engagiert für das Gewalthilfegesetz und eine Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs lobbyierte, startete er mit der provokanten Frage „Frauenrechte: Kannste dir sparen?“ in seine Kampagne zur Bundestagswahl.
Entlang dieser Frage legte der DF in den sieben Woche bis zur Wahl offen, dass Gleichstellungspolitik ein zentraler Schlüssel ist, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in Deutschland nachhaltig zu lösen. Er führte darin mal humorvoll, mal provokant vor Augen: Gleichstellungspolitik und Frauenrechte sind kein nice-to-have, es braucht eine engagierte gleichstellungspolitische Agenda für die kommende Legislaturperiode, damit Frauen nicht noch weiter ins Hintertreffen geraten.
Wie schon zur Europawahl stellte der DF Wahlforderungen auf und wertete abermals ausführlich die Wahlprogramme der demokratischen, im Bundestag vertretenen Parteien auf ihren frauenpolitischen Gehalt aus. Den Wahlcheck zur Erleichterung am Wahltag bereitete er auch für die Sozialen Medien auf. Der DF war einer von 30 Verbänden bundesweit, denen im Wahlkampf gestattet wurde, Wahlprüfsteine von den Parteien anzufordern. Die Antworten veröffentlichte die starke Stimme für Frauen gemeinsam mit der Auswertung der Wahlprogramme auf der Homepage.
In den sieben Wochen bis zur Wahl am 23. Februar wurde die Kampagne vorwiegend über die Social-Media-Kanäle des DF verbreitet. Für mehr Reichweite kollaborierte der DF themenbezogen mit der Managerin Janina Kugel und der Autorin Hami Nguyen. Für das Abschlussvideo zur Kampagne – eine positive Vision einer gleichgestellten Zukunft – engagierte der DF die Künstlerin und Influencerin Kim Hoss. Erstmals war der DF auch auf TikTok aktiv, um insbesondere jüngere Zielgruppen zu erreichen.
Social-Media-Kampagne zur Bundestagswahl
DF kann Mobilisierung
Sowohl zur Europawahl als auch zur Bundestagswahl setzte der DF auf klare Botschaften, digitale Mobilisierung und vermehrt auf die Zusammenarbeit mit Influencer*innen und Prominenten, die die Anliegen des DF teilen. Das brachte dem DF große Reichweiten und neue Follower*innen in den Sozialen Medien. Dies unterstreicht die Bedeutung von Social-Media-Kampagnen für die politische Arbeit des DF und zeigt, dass der Kampf um mehr Gleichstellung auch immer öfter digital ausgefochten wird.
AfD stark wie nie
Das Ergebnis der Bundestagswahl fordert die Demokratie und Frauenrechte in Deutschland heraus. Die AfD als zweitstärkste Kraft und ein erneut gesunkener Frauenanteil im Bundestag markieren den Start in eine herausfordernde Legislatur. Der DF appelliert an die künftigen Koalitionspartner und die Abgeordneten des neu gewählten Bundestags, Frauen- und Menschenrechte zu sichern und die Demokratie zu verteidigen. Die Zivilgesellschaft rief der DF auf, enger zusammenzuarbeiten. 80 Prozent haben nicht die extreme Rechte gewählt. Und deshalb heißt es jetzt: Zusammenrücken.